LOGBUCH DER ANIMA IV - Juli 2016  
 

Die ersten Tage an Bord verliefen planmäßig: Das Schiff lag noch an Land, trotz der Hitze konnte ich wie geplant das Unterwasserschiff streichen, Bugspriet und Mast schleifen und neu lackieren und etliche sonstige Kleinigkeiten erledigen. Nachdem Klemens angekommen war, wurde Anima am 8.Juli ins Wasser gelassen und wir fuhren auch gleich los. Tags darauf ging es durch den Kanal von Korinth und danach weiter Richtung Westen.

Am Montag, dem 11.7. segelten wir bei herrlichem Wind unter der imposanten Rion Brücke hindurch. Nach einigen Stunden schlief der Wind ein und wir wollten die letzten 12 Meilen bis zum Ankerplatz bei der Insel Oxia motoren. Sofort nach dem Anstarten war jedoch klar, dass da was nicht stimmte: Der Motor nahm kaum Gas an und machte dabei seltsame Geräusche, Vibrationen, Dämpfe und Gerüche.

Vorrangiges Ziel war nun das 2 Meilen entfernte Mesolongi, wo es eine Marina und wohl auch einen Mechaniker gab. Zur Sicherheit bat ich einen italienischen Segler uns in den Hafen zu schleppen, wo wir mit letzter eigener Motorkraft anlegen konnten.

Der marinaeigene Mechaniker war nach einigen Tagen und Versuchen mit seinem Latein am Ende, wollte es aber nicht zugeben. Daher nahm ich das Angebot eines Schweizer Seglers an, die Anima nach Vlycho auf der Insel Lefkas schleppen zu lassen. Dort kamen wir am Sonntag, dem 17.7. an. Der uns vom örtlichen englischen Yachtclub empfohlene Mechaniker kam am Dienstag und nachdem ja Diesel, Dieselzuleitung, Förderpumpe, Einspritzpumpe und Einspritzdüsen in Ordnung waren, baute er den Zylinderkopf aus um diesen inkl. Ventilen einer Prüfung zu unterziehen.

Zudem entdeckte ich noch, dass das Holz unter dem Endbeschlag des Bugspriets völlig morsch und weich war. Mit Hilfe von Ruari, dem Yachtclub Boss und seiner Werkstatt konnte auch dieses Problem durch Anleimen eines neuen Stückes gelöst werden. Die wirkliche Arbeit war dann das Abschleifen, Anpassen, Lackieren, Anschrauben der Niro-Beschläge, etc.

Während der langen und heißen Tage des Wartens auf die Reparatur borgte ich mir ein Motorrad aus, unternahm Einkaufsfahrten zum Lidl in Lefkas und arbeitete sämtliche Punkte auf der üblichen To-Do-Liste ab.

Insgesamt also verlief der Start nicht so erfolgreich. Dass der Motor nach 3 Tagen anstandsloser Funktion seine Macken machte, war wohl nicht zu erwarten. Allerdings war wie so oft bei solchen Dingen wieder einmal Glück im Unglück dabei: Der Motorschaden hätte auch in einer einsamen Bucht, bei dringendem Gebrauch zum Einlaufen bei Gegenwind oder irgendwo am Atlantik oder in der Karibik passieren können. Insofern – wenn´s denn sein musste - passten ja Zeit und Ort.

Erfreulicherweise kam am Samstag relativ unerwartet der Mechaniker mit seinem Vater um die servicierten Teile Zylinderkopf, Ventile, Wärmetauscher wieder einzubauen. Starten wollte der Motor dann aber trotzdem nicht! Beide Herren probierten für eine weitere Stunde einiges aus, bis letztlich der Fehler gefunden war: Der Aufpuffkrümmer war mit Ruß und Salzresten verstopft! Das war alles. Eine Sache, die ich selber in 2 Stunden Arbeit ohne Kosten auch erledigen hätte können. Aber man lernt bekanntlich nie aus. Es war ja auch einiger Mechanikerdenksport nötig um auf diese Ursache zu kommen. Letztlich muss man trotz der relativ hohen Kosten (850€) aber wieder das Gute sehen: Der Motor ist nun in hervorragendem Zustand: Neue Kopfdichtung, Ventile neu eingestellt, Wärmetauscher gereinigt, Einspritzpumpe und-düsen überprüft, etc.

Nachdem auch der Bugspriet wieder an seinem Platz war, war die Anima endlich wieder reisebereit. Um 5.00h früh fuhr ich los, um 7.30h durch die Drehbrücke bei Lefkas und um 14h machte ich im Hafen von Paxos fest. Unterwegs zeigte sich bei einem kurzen Blick in den Motorraum, dass der Mechaniker vergessen hatte, den Schlauch für die Dieselrückleitung anzuschließen. Der daraus folgende viertel Liter Sprit unter dem Motor war schnell aufgesaugt.

Für die 185 Seemeilen über das Ionische Meer nach Roccella Ionica war der Wetterbericht gut, die Überfahrt dauerte 36 Stunden und verlief zum Glück relativ problemlos. Ein Drittel der Strecke konnte sogar gesegelt werden. Bei einer Motorkontrolle bemerkte ich ausgetretenes Motoröl: Ursache war auch hier wieder die Schlampigkeit der Professionisten: Der Auspuffkrümmer war nicht fest genug angeschraubt und lockerte sich durch die Vibrationen des Motors. In beiden Fällen zeigt sich, dass erstens ein periodischer Motorcheck wichtig ist und dass auch gelernte Mechaniker auch in ihrem Metier Fehler machen können.

Beim Einlaufen in der Marina von Roccella Ionica überholte ich ein israelisches Segelschiff mit provisorischem Außenborderantrieb: Völliger Motorschaden, Reparatur nur in Messina möglich. Ein anderes Schiff am Steg hatte wegen Ladeproblemen überhitzte Batterien und wartete auf einen Spezialisten. Also, anderen geht´s auch nicht immer besser. Anima konnte um 5.30h Richtung Straße von Messina aufbrechen.

Als ich gegen 15h in die Straße einbog, begann plötzlich unerwarteter starker Gegenwind aus Norden, bis Messina waren es nur noch 17 Meilen. Nichts in der Nähe zum Schutz suchen, einzige Möglichkeit war ein Ablaufen ins 3 Stunden entfernte Taormina, wo ich dann erschöpft nach einem schnellen Starkwindsegeln bei Einbruch der Dunkelheit ankam und bald schlafen ging.

Um 3h Früh wieder Aufbruch Richtung Nord, leider wieder ungünstige Bedingungen, aber Gegenwind und Welle waren gerade noch erträglich, sodass ich für die nunmehr 30 Meilen zum Nordende der Meerenge 8 statt der geplanten 6 Stunden brauchte. Dafür war es dann im Tyrrhenischen Meer so angenehm, dass ich beschloss, gleich bis an die NW Spitze von Sizilien weiter zu fahren. Nach einer weiteren Nachtfahrt kam ich nachmittags in San Vito Lo Capo an, erledigte einen kleinen wichtigen Einkauf (Parmesan!), und da die Vorhersagen günstig waren, fuhr ich am nächsten Morgen wieder um 3h früh los zur 188 Meilen langen Überfahrt nach Sardinien, wo ich am Sonntag, 31.7., eine Woche nach Auslaufen aus Lefkas, wohlbehalten ankam.

In dieser Woche habe ich ca. 450 Meilen zurückgelegt, das meiste leider unter Motor und mehr Nächte auf See – halb wachend, halb schlafend – verbracht als im ruhigen Hafen.

Leider gibt es mit dem Motor neue, reparaturbedingte Probleme: Er verliert in Bereich des Auspuffkrümmers Öl. Da der Bereich schwer zugänglich ist, lässt sich die Ursache schwer ausfindig machen. Zudem ist der Messstab zur Getriebeölkontrolle im Gewindebereich abgebrochen, die Pumpe des Bordklos macht Probleme, usw. usw. – Also, von Urlaub ist bis jetzt noch nichts zu merken, aber das kommt hoffentlich bald.

Den Abschluss dieses Kapitels bildet die immerhin 280 Meilen lange Überfahrt von Sardinien nach Mallorca. Noch einmal zwei Nächte praktisch ohne Schlaf, aber dafür als Ziel Port Andratx, wo ich nun einige Tage Pause mit der Familie meiner Schwester mache und diese Zeilen endlich online stellen kann ...

 
 

Zu den Fotos vom Juli ...

 
 

 
 

 

zurück zur Startseite